Das Immobilienjahr 2016

Grundsteuererhöhung droht, Wertsicherung wackelt

Die Immobilienwirtschaft zählt zu den großen Verlierern der Steuerreform, und schon könnten der Branche neuerliche massive Belastungen drohen. Was heimische Experten in den nächsten zwölf Monaten erwarten. Branchenexperten wissen es seit Monaten: Die heimische Immobilienwirtschaftist ist der große Verlierer der jüngsten Steuerreform. Während bereits das sogenannte Stabilitätsgesetz 2012 gravierende Belastungen bei Übertragung von Liegenschaften, unter anderem durch den Wegfallder Spekulationsfrist oder der Einführung der Immobilienertragsteuer, brachte, legt der Gesetzgeber nochmals gehörig nach.Mit der Steuerreform 2016 wird die Immobilienertragsteuer um ein Fünftel erhöht. Rückwirkend wird sogar in die Abschreibung von vermieteten Immobilien eingegriffen.

Grundsteuererhöhung droht

Dessen ungeachtet schockieren neue „Horrormeldungen“ die Immobilienwirtschaft. Vor allem die von Politikern laut angedachte Grundsteuererhöhung sorgt für Entsetzen. Mit der geplanten Erhöhung der Grundsteuer würde der in den vergangenen Jahren beschritt ene Weg der österreichischen Politik konstant fortgeführt werden, warnt der Fachverband Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Eigentümer von Immobilien – unabhängig davon, ob es sich um Einfamilienhäuser, Grundstücks- oder Zinshauseigentümer handelt – werden schon jetzt in einem unerträglichen Maß belastet. Fachverbandsobmann Michael Pisecky: „Gerade angesichts des Wohnraummangels sollten Anreize geschaffen werden, dass sich möglichst viele Menschen ihre eigenen vier Wände schaffen. Der Wohnbau in Städten kann den  Bedarf längst nicht mehr decken. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung 3.000 Euro pro Jahr Grundsteuer zahlen zu  müssen ist eine abschreckende Vorstellung für all jene, die versuchen, ihr Erspartes in eine eigene Wohnung oder in ein Häuschen zu investieren. Der Unterschied bei der monatlichen Belastung im Vergleich zur Miete würde unbedeutend werden – bei vergleichsweise hohen Investitionen bzw. Risiken. Das Ziel des Staates dürfte es sein, nur noch Reiche in Eigentum wohnen zu lassen, während alle andere in Sozialwohnungen leben müssen. Anders sind die aktuellen Pläne nicht erklärbar.“

Wertsicherung wackelt

Noch ein weiteres drohendes Regulativ entsetzt derzeit die Branche. So ist zu hören, dass neuerlich ein MILG (Mietrechtliches InflationslinderungsG) beschlossen werden soll, wonach der Vermieter die Wertsicherung beim Richtwertmietzins 2016 nicht geltend machen kann. Auch das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz – Stichwort
„Barrierefreiheit“ – sorgt in der Branche derzeit für rechtliche Verunsicherung. Aber wie reagieren heimische  Immobilientreuhänder und Experten auf die massiven Herausforderungen im kommenden Immobilienjahr 2016. Die Österreichische Immobilien Zeitung wagte einen Rundruf und lässt die Branche selbst zu Wort kommen.

Grundstücke im Ländle weiterhin Mangelware

In Vorarlberg herrscht derzeit laut Rainer Bischof, Geschäftsführer von Bischof Immobilien, eine Hochkonjunktur, die durch die Änderungen im Bereich der Immobilienbesteuerung zusätzlich angeheizt wurde. Das Grundstücksangebot bleibt sehr knapp. Die Preissituation im Eigentumswohnungsneubau bereitet wegen der enormen Kosten Sorgen. Vereinfachtes Bauen bzw. vereinfachte Regeln im Bereich Bautechnik wären gefragt. Für 2016 rechnen wir mit konstant hoher Nachfrage sowie – mit Ausnahme der Wohnungsmieten – mit mindestens gleichbleibenden und leicht steigenden Preisen. Bei den Mieten gehen wir wegen der Flüchtlingsunterbringung von einer zunehmenden Angebotsverknappung aus. 2016 bringt voraussichtlich eine Novelle im Mietrecht, wovon wir uns hinsichtlich einfacherer und marktfreundlicherer Mietzinsvorschrift en nicht allzu viel erwarten. (Ausszug aus dem OIZ Artikel, Ausgabe 12, 2015)